RELIGIONEN

Es gibt vielfältige Glaubensformen in Japan: Shintoismus und Buddhismus ist am weitesten verbreitet, es gibt etwas Christentum, Atheismus, den Glauben an Mythen, an Wachstum, an die Firma, für die man arbeitet etc. Japaner selbst verstehen die Frage nach der Religion oftmals nicht. Es gibt keinen Finanzamtfragebogen, der die Religionszugehörigkeit abfragt und danach Steuern bemisst. Es gibt kein japanisches Formular, in der man Angaben zu seiner Religion machen muss. Denn das wäre auch schwierig: 90 Prozent der Japaner fühlen sich zum Beispiel zum Shintoismus und zum Buddhismus gleichermaßen zugehörig. Das hat vor allem damit zu tun, dass beide Religionen über die Jahrhunderte hinweg tief im japanischen Alltag verankert sind.

Shintō

Shintō (oder Shintoismus) ist die ursprüngliche Religion Japans mit einer Vielzahl an Kulten und Glaubensformen. Shintō wird meist mit „Weg der Götter“ übersetzt; erstmals findet sich der Begriff im 6. Jahrhundert, um die einheimische Religion vom neu eingeführten Buddhismus zu unterscheiden.

Shintō hat im Gegensatz zu anderen Religionen kein schriftlich fixiertes Lehrsystem, keinen Begründer und keine zugrunde liegende Dogmatik. Wissen wurde oft mündlich tradiert und Religiösität entwickelte sich aus den übernommenen Bräuchen, Kulten und Gebeten. Ein Jenseits-Glaube ist dem Shintō-Glauben fremd.

Der Ise-Schrein als Ahnen-Schrein des japanischen Kaisers ist der bedeutendste Schrein. Aufgrund der Entstehungsgeschichte können sich lokale Shintō-Bräuche sehr voneinander unterscheiden, die aber allesamt das Fortbestehen der traditionellen japanischen Kultur sichern. Man schätzt die Zahl der Shintō-Schreine im heutigen Japan auf rund 100.000. In Schreine kommen Menschen, die für Unterstützung oder eine bessere Zukunft bitten.

Schrein-Anlage mit rotem Torii

Buddhismus (Bukkyō)

Daitokuji-Tempelweg in Kyoto

Ab dem 5. Jahrhundert gelangten buddhistische Einflüsse über Indien, China und das Paekche-Königreich nach Japan. Nur wenige sahen in der Etablierung des Buddhismus einen Widerspruch zum herrschenden Shintō-Glauben. Schnell setzte sich die Auffassung durch, dass Buddha lediglich eine weitere Gottheit ähnlich den Kami-Göttern darstellte. Shintō schloss also den Buddhismus mit ein. Die Grundlage für eine friedliche Koexistenz und zeit­weise sogar tiefe Durchdringung war gegeben.

Während der Nara-Zeit (710–784) etwa stand der Buddhismus eher im Zeichen wissenschaftlicher und staatserhaltender Ausrichtung, später zur Heian-Zeit begründete Saichō in Kyoto die japanische Tendai-Schule. Er exerzierte 15 Jahre lang seine Meditationsübungen in der Einsamkeit des Hiei-Berges. In seiner Lehre vereinte er Ansätze verschiedener buddhistischer Schulen mit Elementen der Zen-Meditation. Der Enryaku-Tempel auf dem Hiei-Berg wurde zum Haupttempel der Tendai-Schule – der Berg ist heute noch ein 1A-Ausflugsziel für alle Kyoto Touristen, die es etwas abseits mögen.

Die Ideen des Zen-Buddhismus fanden besonders große Verbreitung in der Kamakura-Zeit. Die Lehre des Zen widmet sich vor allem dem Zustand der geistigen Konzentration. Die berühmteste Zen-Schule wurde die Rinzai-Schule, die im Daitokuji-Tempel in Kyoto beheimatet ist und auch heute noch Mönche ausbildet.